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Mittelstand Deutschland - BLOG
DAX, DowJones und Co: Aktien auf der Überholspur – wann kommt die Vollbremsung?
Autor: Patrice Kaiser, Produkt- und Vertriebsmanager für Vermögensanlagen.
Datum: 09.02.2018
Kategorie: Wirtschaft & Recht
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Neue Allzeithochs bei Aktien

Mit über 12.600 Punkten erreichte der DAX Anfang Mai wieder ein neues Allzeithoch. Es ist zu erwarten, dass es nicht die letzte Höchststandmeldung bleiben wird. Anleger im deutschen Aktienmarkt konnten so seit  dem Ende der letzten Korrekturphase im Februar 2016 gut 40% Gewinn verbuchen. Seit dem Tief in Folge der Bankenkrise Anfang 2009 sind es sogar über 240% Zuwachs. Damit steht der DAX nicht allein. Auch andere europäische und amerikanische Aktienindizes haben in den vergangenen Wochen historische Höchststände erreicht.

Stellt sich die Frage, wann endet diese Aktien-Rally? Welche Kurse sind noch erreichbar? Ist es jetzt sinnvoll, in den Aktienmarkt zu investieren? Die Antworten müssen differenziert betrachtet werden. Ein einfaches „Jetzt alles auf Aktien setzen!“  oder aber auch „Hände weg von Aktien!“ ist in definitiv falsch. Vielmehr müssen die Ursachen der Aktien-Rally analysiert, Chancen oder Risiken abgewogen und dann eine entsprechende Anlagestrategie entwickelt werden.

Aktienrally mangels Anlagealternativen?

Hauptgrund für die starke Nachfrage nach Aktien ist sicherlich die Alternativlosigkeit in der Anlage. Verantwortlich dafür sind die Zentralbanken mit ihrer aggressiven Null-Zins-Politik der vergangenen Jahre. Als Rettungsaktion für Banken, Staaten und Wirtschaft gedacht, zeigen sich heute die gefährlichen Nebenwirkungen. Es drohen Blasenbildungen bei Aktien, Immobilien und Anleihen.  

Die allermeisten Banken bieten für Spareinlagen, Termingelder oder Tagesgelder nicht nur keinen Zins mehr sondern verlangen mittlerweile für große Vermögen Verwahrgebühren. Das trifft vor allem institutionelle Anleger wie Versorgungswerke und Versicherungen. Privatanleger sind indirekt davon betroffen. Sie erwirtschaften heute mit ihren klassischen Altersvorsorge- und Sparverträgen keine Rendite mehr.

Auch Staats- oder Unternehmensanleihen sind unattraktiv. Sofern man nicht bereit ist, mehrere Jahrzehnte zu investieren, wird der geringe Zins durch die Inflation aufgezehrt. Bleiben noch Immobilien als Alternative. Hier stellt sich jedoch das Problem, dass die Preise in den attraktiven Lagen ebenfalls deutlich gestiegen sind und sich das Angebot sehr verknappt hat.

Neben den fehlenden Anlagealternativen gab es natürlich gute Argumente für Investitionen in Aktien. Die Gewinne und ausgeschütteten Dividenden sind so hoch wie selten. Die Arbeitslosigkeit in Deutschland ist historisch niedrig. Das Ziel der Vollbeschäftigung ist trotz Zuwanderung niedrig qualifizierter Flüchtlinge so gut wie erreicht. Die Wirtschaft profitierte seit langem nicht nur von Exporten sondern auch vom gestiegenen Konsum und Investitionen der Unternehmen. Alles zusammengenommen sind das gute Gründe und Begründungen für neue Höchststände.

Nachhaltiger Aufschwung oder Ende der Rally?

Ausgehend von den Ursachen und Voraussetzungen für die Aktien-Rally kommt man nicht umhin festzustellen, dass sich die Perspektiven für einen lang anhaltenden Aufschwung zumindest eintrüben. Wesentlicher bremsender Faktor ist sicherlich die Notenbankpolitik. Die amerikanische FED hat in den vergangenen Monaten begonnen, die quasi unbegrenzte Flutung des Markes mit frischem Geld einzudämmen. Die Leit-Zinsen wurden in kleinen Schritten angehoben. Weitere Erhöhungen folgen mit hoher Wahrscheinlichkeit noch in diesem Jahr.

Die europäische Zentralbank EZB folgt diesen Schritten im Moment noch nicht. Erste Erklärung lassen aber vermuten, dass die Talsohle des Niedrigzinses erreicht ist. Voraussichtlich bis 2019 wird eine Trendwende folgen.

Ebenfalls kritisch zu bewerten ist die – übertriebene – Euphorie der Anleger im Hinblick auf die Kurs-Entwicklung von Aktien in nächster Zukunft. Sie ist oft Warnsignal für kurz bevorstehende Korrekturen. Denn nichts ist schneller enttäuscht als übertriebene Hoffnung. Als Gegenreaktion folgen dann schnelle Verkäufe.

Andererseits sind die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen besonders in Deutschland nach wie vor gut. Das Verbrauchervertrauen und die Stimmung im Management sowohl großer als auch mittelständischer Unternehmen liegen auf hohem Niveau und signalisieren weiteres Wachstum. Die Arbeitslosenquote sinkt. Die Finanzierung neuer Investition ist historisch günstig, die Inflation auf einem akzeptablen Niveau.  Zusammengenommen ist das eine gute Basis für steigende Unternehmensgewinne und damit weiter steigende Kurse.

Bleibt die Frage, welcher Anlass zu einem Trendbruch führen kann. Die Antwort ist leicht: Ein politisches Großereignis wie zuletzt der Brexit oder die Wahl Trumps. Mögliche Anlässe gibt es genug; zum Beispiel die Wahlen in Frankreich, die Bundestagswahl im September oder eine mögliche Neuwahl in Italien.

Tipps für Anleger

Als Anleger ist man in einer Zwickmühle. Einerseits bieten aktuell nur Aktien Chancen auf Renditen über der Inflation. Andererseits drohen bei einer Korrektur hohe Kursverlustrisiken. Deswegen gilt: Nicht alles sofort auf eine Karte setzen. Verteilen Sie Anlagen auf verschiedene, breit gestreute Werte. Nachdem die Entscheidung für einen oder mehrere Werte gefallen ist, investieren Sie nicht alles zum selben Zeitpunkt. Teilen Sie Ihre Anlage in kleinere Beträge auf und investieren Sie diese verteilt auf die nächsten 12 bis 24 Monate.

Lassen Sie sich außerdem von Ihrer Bank oder Anlageberater ausführlich zu Möglichkeiten der Risikoreduzierung beraten. Von Limit-Orders bis zu Zertifikaten öffnet sich hier ein weites Feld. Die investierte Zeit ist gut angelegt. Das wichtigste zuletzt: Definieren Sie ihre persönliche Risikobereitschaft und richten Sie daran Ihre Anlagestrategie aus. So steht einer langfristig erfolgreichen Aktienanlage nichts im Weg- egal welchen Kurs die Börsen nehmen.