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MITTELSTAND IN DEUTSCHLAND - BLOG
High Performance heißt nicht, dass alle immer glücklich sind.
Autor: Iris Görling
Datum: 11.05.2026
Kategorie: Führung & Personalentwicklung
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In vielen Unternehmen gibt es eine unausgesprochene Vorstellung davon, wie Leistung auszusehen hat.

Man stellt sich Menschen vor, die motiviert, überaus belastbar, lösungsorientiert und im Idealfall mit einer unerschütterlichen, positiven Grundstimmung durch jede Veränderung navigieren. Ganz ohne unangenehme Emotionen – ein Bild wie aus einer Hochglanzbroschüre.

Dieses Bild ist nicht nur unrealistisch, es ist trügerisch. Wenn wir die unangenehmen Emotionen wissentlich übersehen oder als persönliche Befindlichkeit abtun, verschwinden sie nicht, sondern sie zeigen sich auf anderen Wegen – auf Wegen, die Geld kosten.

Die eigentliche Zerreißprobe für ein Team ist selten das Vorhandensein von Emotionen. Die wahren Probleme beginne dort, wo diese Emotionen ignoriert, beschönigt oder unterdrückt werden.

Wo sie als Störgeräusch behandelt werden, das man weg moderieren oder übertönen muss, bis es irgendwann nicht mehr weggeht und an Stellen zutage tritt, wo man es nicht mehr als Gefühl erkennt, sondern nur noch als Symptome: als einen Widerstand, der sich hinter Vernunft versteckt, als einen Rückzug, den man Professionalität nennt, als Flurfunk, der mehr Wahrheit enthält als jedes offizielle Meeting, oder als jene zähe Erschöpfung, die alle sehen und über die niemand spricht.

Ein leistungsfähiges System ist nicht emotional glattgebügelt. Es ist emotional steuerungsfähig.

Genau hier, weit jenseits von Obstkörben und Leitbild-Workshops, wird Kultur zu einem strategischen Instrument.

Eine Organisation ist kein Ort, an dem immer alle gewinnen. Budgets werden verschoben. Prioritäten ändern sich. Rollen werden neu verteilt. Manche Entscheidungen enttäuschen und manche machen Angst oder lösen Ärger aus, auch wenn sie operativ richtig sind.

Das Vorhandensein dieser Gefühle ist nicht das Problem, das Problem ist, wenn eine Organisation und die Menschen darin keine Form finden, mit ihnen umzugehen.

 

  • Dann werden Gespräche oberflächlich, Zusagen unverbindlich und Entscheidungen langwierig.
  • Menschen sichern sich ab, statt Verantwortung zu übernehmen.
  • Sie schweigen, statt Probleme aufzuzeigen.
  • Sie gehen mit ihren Emotionen hausieren, auf dem Flur, in der Cafeteria und im Außen.

Und diese nicht ausgesprochenen Emotionen, die daraus resultierenden Konflikte und Missverständnisse kosten irgendwann ein Vielfaches von dem, was ein offener Austausch am Anfang gekostet hätte.

Ich habe unangenehme Emotionen lange weggelächelt. Ich habe gesagt, es gehe mir gut, während innerlich etwas anderes längst lauter wurde. Ich habe Optimismus gezeigt, wo eigentlich Ehrlichkeit nötig gewesen wäre, ich habe durchgehalten, wo ich eine Pause gebraucht hätte, ich habe Entscheidungen getroffen, obwohl mir Informationen gefehlt haben – denn das war genau so, wie es von mir erwartet wurde.

Irgendwann ließ sich das Unwohlsein nicht mehr überspielen – Mein Nervensystem, mein Körper und meine Mitarbeiter, haben mir klar gezeigt, was ich nicht hören wollte.

Das war schmerzhaft und doch war es war ein Wendepunkt – auch in meinem Ansatz zu führen.

Unangenehme Emotionen sind keine Störungen, die wegmüssen, sie sind Hinweise. Hinweise darauf, dass etwas Aufmerksamkeit benötigt. Ärger zeigt uns z.B., dass eine Grenze überschritten wurde. Angst oder Unsicherheit zeigt, dass etwas noch nicht klar ist, dass Vertrauen fehlt.

Wer Menschen durch Druck, Herausforderung oder Veränderung führt, sollte solche Signale nicht übergehen. Er sollte sie lesen lernen, nicht um sie auf ein Podest zu heben, sondern weil sie Informationen enthalten, die sonst an anderer Stelle wieder auftauchen – die Kaffeeküche und der Flurfunk sind, wie bereits erwähnt, beliebte Orte unangenehmer, nicht gesehener Emotionen.

High Performance ist kein aufgesetztes Lächeln.

High Performance zeigt sich dort,

 

  • wo Menschen auch unter Stress nicht nur funktionieren, sondern wahrnehmen können, was passiert.
  • Wo eine unbequeme Wahrheit ausgesprochen werden darf, ohne dass das Miteinander zerbricht.
  • Wo Führung nicht beruhigt, nur damit es ruhig ist, sondern Klarheit schafft, auch wenn es unangenehm wird.
  • Wo die Kompetenz besteht, Unsicherheit auszuhalten, zu warten, was sich zeigt, ohne sofort zu reglementieren.

Das ist vielleicht anspruchsvoller als gute Laune vorzutäuschen, aber deutlich wirksamer, nachhaltiger und gesünder.

Emotionen sind nicht der Gegensatz zu Leistung, doch ungeklärte Emotionen sind ein Risiko für Leistung.

Wenn Sie in Ihrem Führungsteam spüren, dass Entscheidungen zäher werden, Gespräche ausweichender oder Menschen nur noch funktionieren, lohnt sich der Blick unter die Oberfläche und auf die Emotionen, die durch die Flure wabern.

Nicht, um alles weichzuspülen, sondern um die Kosten hierfür zu benennen, denn diese sind nicht von der Hand zu weisen – im Zwischenmenschlichen, wie in der Bilanz.

Wenn Sie sich dazu vertraulich austauschen möchten, schreiben Sie mir gern direkt.

Denn manchmal beginnt echte Performance genau dort, wo das erzwungene Lächeln aufhört und Klarheit wieder möglich wird.