Das Jahr der Genossenschaften
Internationales Jahr der Genossenschaften 2012
Die Vereinten Nationen haben 2012 zum Internationalen Jahr der Genossenschaften ausgerufen. In der Begründung wird betont, dass Genossenschaften in vielen Ländern einen wichtigen Beitrag für die wirtschaftliche und soziale Entwicklung leisten. Kreditgenossenschaften, ländliche und gewerbliche Genossenschaften stabilisieren regionale Wirtschaftskreisläufe und sorgen für lokale Beschäftigung.
Grußwort von Bundespräsident Christian Wulff für das Internationale Jahr der Genossenschaften 2012
(Quellenhinweis) http://www.genossenschaften.de/gru-wort-von-bundespr-sident-christian-wulff-f-r-das-internationale-jahr-der-genossenschaften-2012
Die Vereinten Nationen haben 2012 zum Internationalen Jahr der Genossenschaften ausgerufen. Ich freue mich über diese Entscheidung, denn Genossenschaften leisten in Deutschland und in vielen Ländern der Welt einen wichtigen Beitrag für die Wirtschaft und die Gesellschaft.
Das Jahr 2012 ist damit auch ein besonderes Jahr für die Bundesrepublik Deutschland, denn die weltweite Genossenschaftsbewegung wurde maßgeblich von der in Deutschland entwickelten Genossenschaftsidee beeinflusst.
Die moderne Genossenschaft entstand im neunzehnten Jahrhundert. In dieser Zeit prägte der Liberalismus die Neuordnung von Wirtschaft und Gesellschaft. Die Orientierung an der individuellen Freiheit führte zu Fortschritt und Industrialisierung. Doch es gab auch eine Kehrseite, denn viele Menschen hatten nicht die persönlichen Voraussetzungen, um an dieser Entwicklung teilhaben zu können.
Mit der von den Genossenschaftspionieren Friedrich Wilhelm Raiffeisen und Hermann Schulze-Delitzsch ersonnenen genossenschaftlichen Selbsthilfe, gemeinschaftlicher Verantwortung und demokratischer Beteiligung konnten sich Landwirte und Handwerker selbst aus wirtschaftlicher Not befreien. Nicht der Staat sollte helfen, sondern eine gemeinsame Rohstoffassoziation oder Darlehenskasse. Insoweit haben die Genossenschaften bereits im 19. Jahrhundert aufgezeigt, auf welchem Fundament eine zukunftsfähige Gesellschaftsordnung stehen sollte. Die Genossenschaft verbindet individuelle Freiheit und Eigeninitiative mit der Kraft der Gemeinschaft. Diese wichtigen Grundwerte bestimmen heute unsere Soziale Marktwirtschaft.
Ein moderner Staat kann ohne die Eigeninitiative von Bürgern und Unternehmern nicht existieren. Es gibt viele Situationen, in denen man selbst anpacken und sich gegenseitig unterstützen muss. Genossenschaften zeigen in vielen Wirtschafts- und Lebensbereichen, dass man mit gemeinschaftlicher Selbsthilfe mehr erreichen kann.
Genossenschaften ermöglichen die gleichberechtigte Beteiligung vieler Menschen und die Einbindung ehrenamtlicher Tätigkeit. Sie ermöglichen zudem eine wirtschaftliche Betätigung, die das Wohl der Mitglieder in den Vordergrund hebt. Genossenschaften sind ein Gewinn für alle, weil sie neben der Mitgliederförderung auch Verantwortung für die Menschen in den Regionen übernehmen.
Kreditgenossenschaften, ländliche und gewerbliche Genossenschaften sowie Wohnungsgenossenschaften sind wichtige Wirtschaftsfaktoren in allen Regionen Deutschlands. Sie sind besonders stabile und verlässliche Partner, die auch einige große Herausforderungen in unserer Gesellschaft mit Eigeninitiative meistern können. Eine dezentrale Energieversorgung, eine flächendeckende Gesundheitsver¬sorgung, die Sicherung von Aufgaben im Bereich der kommunalen Daseinsvorsorge oder die ländliche Nahversorgung sind Aufgaben, die genossenschaftlich gelöst werden können. Davon zeugen heute bereits die neu gegründeten Energie¬genossenschaften, Ärztegenossenschaften, genossenschaftlichen Schwimmbäder oder Dorfläden. Genossenschaften können einen wesentlichen Beitrag für die Zukunft unseres Landes leisten.
Deshalb freue ich mich, dass mit dem Internationalen Jahr der Genossenschaften viele Menschen mit dieser guten Idee erreicht werden können. Ich hoffe, dass möglichst viele Genossenschaften diesen Anlass nutzen werden, um die genossenschaftlichen Werte mit vielfältigen Veranstaltungen wieder stärker in das Bewusstsein der Menschen zu bringen.